Empathie

„Es braucht Courage, aufzustehen und zu reden. Genauso braucht es Courage, sich hinzusetzen und zuzuhören.“ Winston Churchill

Liebe Leserinnen und Leser,

heutzutage ist es schwer, wir selbst zu sein, denn wir glauben, dass wir nur dazugehören, wenn wir uns der Norm entsprechend verhalten. Dazu vernachlässigen wir uns selbst und setzen uns eine „Maske“ auf. Besonders wichtig scheint das Tragen dieser „Maske“ für viele von uns am Arbeitsplatz zu sein: wir wollen rational, mächtig und erfolgreich wirken. Wir verlieren dadurch den Zugang zu unseren Gefühlen und Intentionen. Wir verleugnen unsere innere Stimme, unsere Berufung und die Liebe zu uns selbst. Die „Maske“ verleiht uns Sicherheit, indem wir uns den Deckmantel der Normalität überstreifen. Dabei ist unser Verhalten bestimmt von dem Wunsch, so auszusehen und zu wirken, als ob wir in die gesellschaftliche Norm passen. Tatsächlich entfernen wir uns so aber nur von uns selbst und unserem Umfeld. Auf Dauer stellt sich ein Gefühl von Leere ein und nimmt uns unsere Energie.

Daher erscheint es uns wichtig, diese Maske abzulegen und dadurch mehr Freude, Authentizität und Energie zu gewinnen. Wie aber können wir es schaffen, einfach wir selbst zu sein? Wie können wir wieder mehr auf unsere innere Stimme hören anstatt uns laut nach außen zu geben um unsere Verletzlichkeit zu vertuschen? Wie können wir Sicherheit und Unterstützung am Arbeitsplatz bekommen, die uns ehrlich denken, fühlen und handeln lässt?

Unsere Antwort ist: Wer ein gesundes Maß an Empathie besitzt, hört mehr zu, hat mehr Verständnis und gibt dem Gegenüber mehr Raum, er selbst sein zu können. Im Gegenzug entfällt die Notwendigkeit, sich hinter einer „Maske“ zu verschanzen.

Empathie

Empathie wird als die Fähigkeit bezeichnet, das Verhalten anderer Menschen oder einer Gruppe zu verstehen und zutreffend vorherzusagen. Die Entdeckung der Spiegelneuronen durch Giacomo Rizzolatti im Jahr 1992 verstärkte das wissenschaftliche Interesse für Empathie. Empathie gilt mittlerweile als eine wichtige Kernkompetenz im Management. Selten ist offensichtlich, was Kunden, Mitarbeiter oder Partner wirklich denken und fühlen und welche Absichten sie verfolgen. Empathie lässt uns schneller und zielgerichteter auf das Verhalten anderer reagieren. Sie ist ein Erfolgsgeheimnis im Umgang mit anderen Menschen, weil die direkte Frage nach den wahren Motiven und Beweggründen oft nicht zielführend ist. Sie ist ein wichtiger Bestandteil der sogenannten „emotionalen Intelligenz“.

Empathie ist die Fähigkeit, Gedanken, Gefühle, Charaktereigenschaften und Motive einer anderen Person zu erkennen und zu verstehen. Sie ist die reine Wahrnehmung und der sensible Umgang mit den „Informationen“, die wir von unserem Gegenüber wahrnehmen – auf einer sachlich betonten Metaebene. Auf dieser Wahrnehmung basiert zum Beispiel Mitgefühl, das sich durch konkrete Empfindungen wie Trauer oder Schmerz bemerkbar macht.

Die drei Teilaspekte der Empathie

Empathie wird in emotionale, soziale und kognitive Empathie unterteilt. Alle zusammen sind Fähigkeiten, die unser Sozialverhalten und unsere Kommunikation beeinflussen sowie die Art und Weise, wie wir unser eigenes Verhalten beobachten und steuern.

Der emotionale Aspekt von Empathie ermöglicht uns, uns in die Gefühlswelt anderer Menschen hineinzuversetzen. Das dient dazu, zwischenmenschliche Beziehungen sowie Vertrauen und Offenheit in der Kommunikation herzustellen und stärkt den Zusammenhalt von Menschen, die in Beziehung zueinanderstehen.

Menschen mit emotionaler Empathie-Fähigkeit hören anderen aktiv zu, beobachten diese genau und kommunizieren achtsam. Daraus entsteht ein wertschätzendes Kommunikationsklima. In Unternehmen fördert emotionale Empathie den Gemeinschaftssinn sowie die Identifikation mit der Firma und bestärkt das Gefühl, akzeptiert zu sein. Dieser Effekt tritt allerdings erst ein, wenn ausreichend viele Mitarbeiter über alle Ebenen hinweg über emotionale Empathie verfügen und diese einsetzen.

Der kognitive Aspekt von Empathie umfasst, Gedanken, Absichten und Motive anderer Menschen verstehen und nachvollziehen zu können und dadurch auf ihr zukünftiges Verhalten zu schließen. Dazu gehört auch die Fähigkeit, indirekte oder nonverbale Botschaften, zum Beispiel Mimik, Gestik, Körperhaltung oder Tonalität, korrekt zu entschlüsseln.

Für das Bestehen einer Organisation ist die Fähigkeit des Einzelnen, zuverlässig eigene Entscheidungen zu treffen und die von anderen vorauszuahnen wichtig und gut. Führungskräfte, die über kognitive Empathie verfügen, können Mitarbeiter individuell (i.e. in seinem Kontext) ansprechen und verantwortungsbewusst sowie vorausschauend planen. Dies gilt in gleicher Weise für den Umgang mit Kunden.

Der soziale Aspekt von Empathie beschreibt die Fähigkeit, sich spontan und intuitiv auf andere Menschen einzulassen, die zum Beispiel in verschiedenen Kulturen oder Herkunftsumfeldern sozialisiert wurden. Wer diese Fähigkeit besitzt, kann mit unterschiedlichen Charaktereigenschaften und Weltanschauungsebenen innerhalb einer Gruppe umgehen. Er versteht das Verhalten in komplexen Systemen besser und kann es dadurch eher beeinflussen.

Der Geschäftsführer, der über soziale Empathie verfügt, versteht und berücksichtigt die Auswirkungen seiner Entscheidungen über alle Hierarchie-Ebenen innerhalb seiner Organisation und darüber hinaus – insbesondere in der Beziehung zu Kunden, Partnern und Lieferanten. Die Wahrnehmung und Bewusstheit, die sich aus sozialer Empathie ergibt, unterstützt ihn dabei, Teams zielführend zusammenzusetzen, adäquat zu motivieren und zu belohnen sowie sinnvolle Organisations-Strukturen einzuführen.

Empathie und Spiral Dynamics

In zwischenmenschlichen Beziehungen kommt es häufig zu Missverständnissen und Enttäuschungen. Dabei spricht man dem Anderen Empathie ab, vergisst aber zu prüfen, ob die betreffende Person überhaupt „die gleiche Sprache spricht“ wie man selbst. Dabei gilt es, sich bewusst zu machen, dass es unterschiedliche sogenannte „Wertesysteme“ gibt, in denen der gleiche Sachverhalt jeweils komplett anders bewertet werden kann. So gibt es zum Beispiel Menschen, die einem 12-jährigen Kind von morgens bis abends konkrete Vorgaben machen, während andere Menschen dem gleichen Kind deutlich mehr Freiraum einräumen, um sich selbst zu entfalten. Beide Vorgehensweisen sind mit den ethisch-moralischen Grundsätzen unserer Gesellschaft vereinbar. Und jeder Handelnde hält seine Vorgehensweise für die einzig richtige – oft sogar, ohne überhaupt bewusst wahrzunehmen, dass es überhaupt noch andere „richtige“ Vorgehensweisen gibt.

An diesem Beispiel ist gut erkennbar, dass Empathie also nicht nur bedeutet, die Wahrnehmung des gegenüber zu verstehen, sondern auch seinen Kontext zu kennen, um sein Verhalten tatsächlich nachzuvollziehen. Empathie wirkt am besten, wenn sie innerhalb eines gemeinsamen Wertesystems angewandt wird. Sofern sich Menschen in unterschiedlichen Wertesystemen befinden, kann Empathie ihre volle Wirkung nur entfalten, wenn die beteiligten Personen sich darüber im Klaren sind und bewusst darauf einstellen.

Der bewusste Umgang mit Empathie im Alltag ist ein wichtiges Mittel für ein gelingendes Sozialverhalten im Privat- und Berufsleben. Da Empathie eine Denkleistung ist, besteht für jeden von uns die Möglichkeit, sie wertesystemübergreifend zu lernen. Das bedeutet, sich in das jeweilige Wertesystem des Gegenübers hineinversetzen zu können, und setzt gewisse kognitive Fertigkeiten voraus. Insbesondere Führungskräfte profitieren davon, Empathie wertesystemübergreifend einzusetzen. Bewusstes Benutzen von Empathie verhilft dazu, achtsamer mit dem Verhalten der Mitarbeiter umzugehen. Die umfassende Sichtweise ermöglicht es Führungskräften, zu erkennen, in welchem Zustand sich Mitarbeiter in einer bestimmten Situation befinden und wie sie diese auf den Kontext bezogen bestenfalls ansprechen und in ihrer Entwicklung unterstützen können.

Das Spiral Dynamics-Modell ist ein fundiertes und weit verbreitetes Modell der gängigen Wertesysteme in unserer Gesellschaft. Es unterstützt uns dabei, andere Menschen fundierter wahrnehmen zu können. Die Erkenntnisse aus Spiral Dynamics Analysen bieten uns eine Basis zur Bestätigung und Erweiterung unserer eigenen Wahrnehmung. Zudem erhalten wir über die gesammelten Informationen Ergebnisse in Form von Handlungsempfehlungen. Wir können unser Verhalten an den Gegenüber anpassen, indem wir seinen momentanen Zustand berücksichtigen, seine Bedürfnisse erfüllen, und ihn im angebrachten Maß fordern und fördern können.

Führungskräfte haben folglich mit der Hilfe von Spiral Dynamics die Möglichkeit, Empathie spezifisch einzusetzen um jeden Mitarbeiter seinen Bedürfnissen entsprechend zu unterstützen. Wenn Mitarbeiter spüren, dass sie dieselbe Sprache sprechen wie ihr Vorgesetzter, können sie auf ihre „Masken“ verzichten und das Betriebsklima sowie die Motivation verbessern sich wie von selbst.

Das Spiral Dynamics-Modell bietet verschiedene Methoden, um Menschen mit einem bestimmten vorherrschenden Werte- oder Weltanschauungs-System in Verbindung zu bringen ohne sie dabei zu verurteilen.

Spiral Dynamics einsetzen

Das Spiral Dynamics-Modell ist aufgrund seiner Vielfältigkeit umfassend einsetzbar. Es bietet Methoden zur Analyse, um Klarheit in bestimmten Fragestellungen und Situationen zu erhalten und um Erkenntnisse über Menschen und zwischenmenschliche Beziehungen zu gewinnen. Außerdem trägt es zur Gestaltung, Entwicklung und Verbesserung kultureller, organisationsspezifischer und gesellschaftlicher Lösungen bei. Spiral Dynamics unterstützt dabei, Veränderungsprozesse in Organisationen und Gesellschaften zu implementieren, sowie die Entwicklungen von Kultur und Teams und das Vorankommen des Einzelnen zu fördern. Zu den Einsatzbereichen von Spiral Dynamics gehören zum Beispiel: Recruiting, Team-Entwicklung, Führungskräfte-Entwicklung, Kulturwandel, Mitarbeiter-Zufriedenheit, Organisationsentwicklung, Prozessentwicklung, Fusionierung von Unternehmen, Coaching und Supervision.

Wir bei econix setzen Spiral Dynamics erfolgreich als einen Teil der Entwicklungsarbeit in sämtlichen Transformations-Prozessen ein:

  • Führungskräften ermöglichen wir, ihre eigene Empathie-Fähigkeit auszubauen und um ein Vielfaches zu steigern.
  • Einzelne Entwicklungslinien wie zum Beispiel Führungsverhalten, Eigenverantwortung oder sogar die Kundenstruktur beurteilen und bearbeiten wir mit Hilfe von Spiral Dynamics gezielt.
  • Wir unterstützen im Verlauf der Veränderung eine Organisation dabei, Aussagen über mögliche Entwicklungen einzelner Mitarbeiter, einzelner Team-Strukturen oder des Kundenverhaltens zu machen. So bereiten wir das Unternehmen auf unterschiedliche Entwicklungsmöglichkeiten vor.
  • Wir setzen Spiral Dynamics-Methoden dazu ein, den Status einer gesamten Organisation zu ermitteln und Teams neu aufzustellen. Entscheidungen in Konflikten, Veränderungsprozessen und anderen Herausforderungen können dadurch weise getroffen werden. Geschäftsführer können vorbeugend Maßnahmen treffen. Sie können Mitarbeiter ermutigen, sich entsprechend weiterzuentwickeln, können Rollenmandate und Prozesse vorausschauend verändern oder ihr Portfolio an den sich verändernden Kunden anpassen.
  • Wir identifizieren individuelle, zwischenmenschliche und teamübergreifende Dysbalancen, erkennen Leistungspotenziale und erhöhen somit Leistungsvermögen sowie Stabilität.

Die Unternehmenskultur bekommt mit dem veränderten Blick durch die „Spiral Dynamics Brille“ einen nachhaltigen Sinn für jeden Mitarbeiter. Ein Geschäftsführer schafft es leichter, einzelne Angestellte zu begeistern, loszulassen und neu einzustellen.

Fazit

Empathie ist eine wichtige Fähigkeit für die Interaktion mit anderen Menschen und wird für Führungskräfte sogar vorausgesetzt. Emotionale Empathie unterstützt die Gestaltung vertrauensvoller zwischenmenschlicher Beziehungen. Kognitive Empathie ermöglicht uns, erfolgreiche Verhandlungen zu führen und Herausforderungen konstruktiv zu begegnen. Soziale Empathie verhilft uns dazu, ein Gespür dafür zu entwickeln, wie man eine produktive Unternehmenskultur oder Teamgeist schaffen kann.

Spiral Dynamics stellt eine hilfreiche theoretische Grundlage für Empathie dar und ermöglicht nicht nur einen umfassenden Überblick über jeden Mitarbeiter als auch über ein Team oder die Firma, sondern auch den respektvollen Umgang mit den Wertesystemen, in denen sich jeder Einzelne befindet. Dieser respektvolle und wertfreie Umgang ermöglicht jedem Mitarbeiter, die „Maske“ abzulegen und dadurch mehr Freude, Authentizität und Energie zu gewinnen und einfach er selbst zu sein.

Im nächsten Blog lade ich Sie herzlich ein, die Idee einer ganzheitlichen Herangehensweise zu reflektieren, die sich auf beinahe jede Situation anwenden lässt.

Suchen Sie neue Perspektiven? Wollen Sie Menschen bewegen? Streben Sie Nachhaltigkeit an? Sprechen Sie mit uns. Julia Hayden oder Jürgen Hein freuen sich jederzeit auf ein spannendes Gespräch.