Feedback

„We all need people, who will give us feedback, that’s how we improve“, Bill Gates

Liebe Leserinnen und Leser,

Kennen Sie das? Mit großer Sorgfalt haben Sie einen Vortrag für das Team vorbereitet. Es ist wichtig für Sie, dass jeder das Thema versteht, denn es geht um die Nutzung neuer Technologien für einen schnelleren Workflow. Nach Ihrem Vortrag bitten Sie die Gruppe eindringlich um ein Feedback und alle gehen lächelnd und nickend aus dem Raum, raunen Ihnen ein „Gut gemacht“ zu und klopfen Ihnen auf die Schulter. Ein Feedback, das Ihnen Selbstbewusstsein schenkt und eindeutig bedeutet, dass jeder im Raum Ihren Vortrag und die neuen Prozesse verstanden hat. Einige Tage später merken Sie, dass niemand die neu eingeführte Technologie nutzt. Sie erfahren auf Nachfrage, dass Ihr Team Sie letztens nicht verstanden hat. Die Enttäuschung über das unkonkret positive und nicht ehrliche Feedback der anderen macht sich breit und wirkt sich direkt auf Ihre Motivation aus, dieses Projekt weiterhin so tatkräftig zu promoten.

Warum hat niemand den Mut, ehrliche und konkrete Kritik zu äußern? Wie können Sie Ihren Mitarbeitern zukünftig vertrauen, wenn sie Ihnen oberflächliche positive Rückmeldungen geben? Weiß niemand außer Ihnen, dass nur spezifisches Feedback – egal ob positiv oder negativ – zum Weiterentwickeln anspornt und nachhaltig motiviert? War Ihr Wunsch nach Feedback falsch?

Unsere Antwort auf die Fragen ist: Sie haben absolut Recht. Ehrliches und konkretes Feedback würde Sie sicher mehr motivieren und insgesamt voranbringen. Machen Sie Ihren Mitmenschen weiterhin Mut zu konstruktiver Kritik und Rückmeldung.

Feedback

Feedback ist ein Begriff, der aus dem Englischen stammt und übersetzt für „Rückkoppelung“ oder „Rückmeldung“ steht. Ursprünglich kommt er aus der Technik und beschreibt die Rückmeldung von Ergebnissen einer Verarbeitung, um sie als Vorgaben für den nächsten Schritt zu verwenden. Feedback ist also der wesentliche Bestandteil eines Regelkreises.

Auf menschliches Handeln übertragen, unterstützt Feedback dabei, einen Richtungswechsel oder sogar eine Korrektur von Verhaltensweisen zu erreichen. Durch die Rückmeldung einer oder mehrerer Personen entsteht Bewusstheit und in der Folge eröffnet sich die Chance auf eine Reaktion. Die hieraus resultierende Veränderung zwischenmenschlicher Interaktion – sowohl im Verhalten als auch in der Kommunikation – kann die Dynamik im gesamten System (Team, Abteilung oder sogar komplettes Unternehmen) substanziell verbessern.

Ganzheitliches Feedback im individuellen Kontext

Feedback findet aus integraler Sicht in allen vier Quadranten statt, es beginnt mit der Intention (ICH) und befasst sich mit beobachtetem Verhalten (ES). Gleichzeitig stehen die Gesprächspartner in einer Beziehung zueinander, die bestimmte Gefühle, Werte (WIR) und Kommunikationsstrukturen (SIE) beinhaltet. Wer konkrete positive Rückmeldung gibt, muss beachten, dabei alle Perspektiven des Feedback-Nehmers und des Kontextes zu respektieren.

Es geht also darum, den Feedback-Nehmer wertschätzend zu behandeln und ihn nicht in seinem Wertesystem zu verletzen (ICH). Feedback kann weh tun, peinlich sein sowie Abwehrmechanismen auslösen. Gleichzeitig kann es Schwierigkeiten für den zukünftigen Verlauf der eigenen Weiterentwicklung bewirken. Daher sollte die Rückmeldung unbedingt erwünscht sein und möglichst positiv ausgedrückt werden. Zudem sind im Moment der Rückmeldung ein offener Umgang mit Bedürfnissen sowie die Beachtung des Gefühlszustands des Feedback-Nehmers erforderlich. Die Aufgabe des Feedback-Gebers ist, zu beobachten und möglichst die objektive Wahrnehmung von der eigenen Intention zu trennen (ES). Dabei hat er im Sinn, klare, sachliche und konstruktive Kritik zu äußern. Zeitnahe, nachprüfbare und konkrete Information bedeutet für den Feedback-Nehmer eine großartige Chance zum Lernen und Weiterentwickeln. Der Feedback-Geber muss auch die vorherrschenden gemeinsamen Moralvorstellungen und gelebten Werte berücksichtigen sowie eine vertrauensvolle wertschätzende Atmosphäre herstellen (WIR). Zu guter Letzt beinhaltet gutes Feedback die Einhaltung der Kommunikations-Regeln der zwischenmenschlichen Interaktion (SIE), die für das System gelten, in dem sich Feedback-Geber und –Nehmer befinden.

Feedback geben und nehmen ist also im Arbeitskontext unerlässlich, um Wertschätzung auszudrücken, Erwartungen zu klären oder Fehlverhalten anzusprechen. Es ist zudem essentiell für die nachhaltige Entstehung und Entwicklung von Motivation und ist in dem Moment gelungen, wenn es schafft, den Feedback-Nehmer nicht nur für den Moment, sondern auch nachhaltig von innen zu motivieren. Die daraus entstehende sogenannte „Selbstmotivation“ schafft eine gewisse Autonomie für den einzelnen Menschen / Mitarbeiter und schenkt ihm nachhaltig Freiheit im Denken und Handeln.

Wenn der Feedback-Geber einige einfachen Regeln einhält, gelingt die Entwicklung des Feedback-Nehmers hin zur Selbstmotivation mit Leichtigkeit.

Regeln unter Beachtung des ICH-Quadranten sind:

  • stellen Sie fest, welche Zustände die Person braucht um motiviert zu bleiben
  • geben Sie Anstöße und Möglichkeiten zur Selbstreflektion

Regeln unter Beachtung des ES-Quadranten sind:

  • geben Sie Hinweise, die dem Mitarbeiter mehr Eigenverantwortung ermöglichen
  • erinnern Sie immer wieder an Terminabsprachen, eigene Anreize oder mögliche Konsequenzen
  • stehen Sie unterstützend und beratend zur Verfügung

Regeln unter Beachtung des WIR-Quadranten sind:

  • sorgen Sie für Gemeinschaftssinn, Spaß und Raum für Selbstentfaltung bei der Arbeit
  • geben sie Tipps für den Umgang mit anderen und deren Bedürfnisse

Regeln unter Beachtung des SIE-Quadranten sind:

  • schaffen Sie Zustände ab, die die Person an der Arbeit hindern könnten
  • setzen Sie realistische Ziele, die Sie mit der Person absprechen und die für beide sinnvoll erscheinen (den Mitarbeiter selbst und die Organisation)

Feedback im Kontext der Digitalisierung

Feedback in Zusammenspiel mit Transparenz, Authentizität und Wertschätzung füreinander ist in heutigen Unternehmen essentiell, um agil, innovativ und selbstbewusst als Organisation auftreten zu können und das Vertrauen der Mitarbeiter ineinander auszubauen. Fortwährender Dialog, aktives Zuhören und kontinuierliche Rückmeldung sorgen dafür, angemessen auf veränderte Gegebenheiten und Herausforderungen im sowie im Äußeren (also Kunde, Markt, Gesellschaft) reagieren zu können.

Berücksichtigt man die äußeren Bedingungen, denen Unternehmen in unserer heutigen Gesellschaft unterliegen, ist das Feedback im individuellen Kontext nicht mehr ausreichend und muss ausgedehnt werden. Dafür bietet sich die effiziente Verarbeitung von „Massenfeedback“ im heutigen Zeitalter der Digitalisierung an: „aktives“ Feedback in Form von digitalen Befragungen sowie „passives“ Feedback, das sich aus gesammelten Daten im Kundenverhalten ergibt (Big Data), sind mögliche Lösungen. Unternehmen erfahren durch diese in Echtzeit, wohin sich Wünsche, Bedürfnisse und Rahmenbedingungen bei ihren Kunden und in der Gesellschaft entwickeln. Nur so können sie zielgerichtet auf Veränderungen eingehen und einen entsprechenden Wandel erfolgreich anstoßen.

In gleicher Weise können die Möglichkeiten der Digitalisierung innerhalb der Organisation genutzt werden. In einer Unternehmenskultur, in der respektvolle Kommunikation, kontinuierlicher Informationsfluss und Meinungsfreiheit von Andersdenkern gelebt wird, kann Feedback größer gestaltet werden und so zur internen Weiterentwicklung beitragen. Ein übergreifendes und beständiges Feedback vernetzt alle mehr oder weniger kreativen Köpfe eines Unternehmens miteinander und trägt nachhaltig dazu bei, sich als Unternehmen fortwährend erfolgreich weiterzuentwickeln. Interne Chatrooms, regelmäßige Pulsbefragungen oder sogenannte „Thinktanks“ sind gängige Beispiele, gehaltvolles Feedback aller Mitarbeiter (innerhalb und außerhalb des Büros) zu bekommen. Wenn alle Mitarbeiter in die Unternehmensentwicklung mit eingebunden werden, vertrauen sie darauf, dass ihre Meinung zählt und von Bedeutung ist. Wird das Stimmungsbild der Mitarbeiter kontinuierlich eingeholt und die angeregte Veränderung nachhaltig umgesetzt, führt dies zu mehr Zufriedenheit und Identifizierung mit dem Unternehmen.

Feedback in Bezug auf die eingangs beschriebene Situation

Der motivierte Mitarbeiter in der eingangs beschriebenen Situation hat also mehrere Möglichkeiten, im nächsten Vortrag das erwünschte Feedback zu erhalten. Er kann seine Mitarbeiter im Vorfeld darüber aufklären, dass es ihm erstens von großer Bedeutung ist, sich darüber im Klaren zu sein, dass alle ihn verstehen, dass zweitens Feedback für ihn persönlich eine Chance bedeutet, sich weiterentwickeln und lernen zu dürfen und dass drittens der Erfolg des Projektes von diesem präzisen Feedback abhängt.

Er kann Rahmen schaffen, in denen sich die Feedback-Geber wohl fühlen und sich ihm gegenüber konkret und kritisch zu äußern trauen. Das können Fragebögen und Emails oder auch Einladungen zu Einzelgesprächen sein. Der öffentliche Wunsch nach Feedback sorgt rückwirkend als Feedback für jeden Mitarbeiter und verändert also nachhaltig das Kommunikationsverhalten der Kollegen untereinander und der Gruppe als Ganzes.

Fazit

Feedback ist ein essenzieller Mechanismus, um Bewusstheit über Verhalten, Entscheidungen und Kommunikation zu erlangen und daraus zu lernen und sich zu verbessern. Damit ist Feedback ein wesentlicher Erfolgsfaktor für den Einzelnen, für Gruppen sowie für das komplette Unternehmen. Gleichzeitig ist Feedback – aufgrund unserer kulturellen Prägung – äußerst heikel. Daher müssen die menschlichen und organisatorischen Voraussetzungen geschaffen werden, um den Raum für effektives Feedback zu eröffnen und darüber hinaus muss es regelmäßig gesucht und eingefordert werden. Wer den Mut aufbringt, diesen Weg zu gehen, wird das enorme Potenzial von Feedback nachhaltig nutzen können.

Im nächsten Blog erfahren Sie, was Rückmeldung für die Entwicklung von komplexen Systemen bedeutet.

Suchen Sie neue Perspektiven? Wollen Sie Menschen bewegen? Streben Sie Nachhaltigkeit an? Sprechen Sie mit uns. Julia Hayden oder Jürgen Hein freuen sich jederzeit auf ein spannendes Gespräch.