Glück

„In einem komplexen System sind wohl die Beziehungen der Elemente zueinander wichtiger als die Elemente selbst.“ Frederic Vester

Liebe Leserinnen und Leser,

wie gehen Sie mit Stress um? Kümmern Sie sich genügend um sich selbst? Was ist mit Ihrem Körper? Mit Ihrem Freundeskreis? Haben Sie Hobbies? Loben Sie sich selbst? Und andere? An was denken Sie und was fühlen Sie, wenn Sie eine Belohnung erfahren? Und wie gehen Sie mit den Menschen in Ihrem Umfeld um?

Positive Kommunikation, Gemeinschaftssinn und der Raum für freie Entfaltung sind aus unserer Sicht wichtig für ein gesundes und zufriedenes Leben des Einzelnen und somit für ein Unternehmen, das seine Mitarbeiter in der Entwicklung unterstützt.

Ich möchte mit Ihnen meine Gedanken teilen, wie es über Sozialverhalten gelingen kann, die Neurohormone Oxytocin, Dopamin und Opioide zu vermehren, um die Bildung des Glückshormons Serotonin anzuregen und den Cortisol-Spiegel zu senken – also einfacher ausgedrückt: glücklicher zu sein.

Haben Sie viel Freude beim Lesen.

Glück

Glück ist ein sehr vielschichtiger Begriff, der Empfindungen vom momentanen bis zu anhaltendem, vom stillen bis zu ekstatischem Glücksgefühl einschließt. Wenn wir von Glück reden, meinen wir den Moment des inneren Erlebens von Zufriedenheit. Glücksgefühl entsteht durch Zuneigung, Anerkennung und Belohnung. Manch einer von Ihnen ist glücklich, wenn es regnet und andere brauchen den Sonnenschein um Glück empfinden zu können.

Was auch immer Glück für Sie bedeutet. Eins ist sicher. Für unser Gehirn bedeutet Glück Serotonin. Und Serotonin macht uns gesund, gelassen, stärkt unsere Immunabwehr und verlängert unser beschwerdefreies Leben.

Unser Gehirn bildet ständig neue neuronale Verbindungen, erlaubt uns dadurch bis ins hohe Alter zu lernen und fördert so fortwährend unsere individuelle als auch gesellschaftliche Weiterentwicklung. Dabei ist unser Gehirn ein Phänomen der und hebt sich von allen anderen Lebewesen durch zwei Besonderheiten ab:

Zum einen ist das unser Frontallappen, der vorderste Teil des Gehirns, der für die Anpassungsfähigkeit an die Umwelt und äußere Begebenheiten zuständig ist. Er ist viel größer, höher entwickelt und aktiver als der von anderen Lebewesen. Das bedeutet, dass wir nicht nur extrem anpassungsfähig sind, sondern zudem noch über Möglichkeiten wie Absicht, freie Entscheidung und volles Bewusstsein verfügen. Zum anderen besitzt unser Gehirn eine Region, die Hippocampus genannt wird. Dort findet täglich die Neubildung von Nervenzellen statt, die nur darauf warten, ein Einsatzgebiet zu bekommen. Man nennt diesen Vorgang „Neurogenese“.

Unsere Zufriedenheit hängt unmittelbar mit der Aktivität der oben genannten Zentren zusammen. Diese Aktivität wiederum wird durch Botenstoffe – in diesem Fall sogenannte Neurohormone –  angeregt, allen voran das Glückshormon Serotonin, welches mit der Bildung von Oxytocin (Sozialverhalten), Dopamin (Belohnungssystem) und Opioiden (Selbstreflexion) in Verbindung steht. Im Folgenden betrachte ich die drei Hormone genauer.

Oxytocin

Oxytocin wird landläufig nicht ohne Grund als Bindungshormon oder „Mutterhormon“ bezeichnet, da es Mütter während des Stillens ihrer Babys produzieren. Es wird gebildet, wenn wir eine positive soziale Verbindung pflegen oder Körperkontakt haben. Im Gegenzug sorgt es selbst für eine vertrauensvolle und offene Art der Interaktion.

Oxytocin steht mit Cortisol in Wechselwirkung. Cortisol ist ein Hormon, das bei Stress ausgeschüttet wird. Es sorgt im Körper für die Bereitstellung zusätzlicher Energie und schärft die Aufmerksamkeit. Es hemmt aber auch unser Immunsystem und kann bei vermehrter Produktion dazu führen, dass wir zum Beispiel länger an einer Grippe leiden als andere oder anfälliger für Autoimmunerkrankung werden. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass erhöhte Cortisolwerte zu Stimmungsschwankungen sowie Aggressivität und Impulsivität führen. Oxytocin begünstigt den Abbau von Cortisol und macht uns daher gesunder und ausgeglichener

Zudem fördert Oxytocin die Neurogenese-Aktivität unseres Hippocampus. Da ein auf Dauer passiver Hippocampus zu Depression, Lethargie und Konzentrationsschwäche führen kann, sind soziale Kontakte und anregender Austausch mit anderen Menschen durch die damit einhergehende dauerhafte Steigerung des Oxytocin-Spiegels ein wirksames Mittel.

Mitarbeiter verantwortlich einzubeziehen und sie Herausforderungen selbst lösen zu lassen, aktiviert das Wechselspiel zwischen Lernverhalten und die daraus folgende Aktivität des Hippocampus. Sie Veranstaltungen planen oder Krisen bewusst selbst oder nur mit geringer Unterstützung bewältigen zu lassen fördert das Sozialverhalten der Mitarbeiter. Mit der Folge von Oxytocin-Bildung. Unternehmen fördern so die Zufriedenheit und Identifikation ihrer Mitarbeiter.

Dopamin

Dopamin entsteht bei Belohnung. Schon im Säuglingsalter bildet das Gehirn Rezeptoren, die von Dopamin besetzt werden wollen. Das geschieht jedes Mal, wenn ein Säugling etwas Neues erreicht, ein Blick, ein Laut, eine Berührung. Im Erwachsenenalter sind es dann größere Ereignisse, wie zum Beispiel ein Lied am Klavier einüben, ein Fußballspiel gewinnen oder eine gute Leistung im Job vollbringen. Es fördert ebenso die Produktion von Dopamin, wenn man an Gruppenaktivitäten teilnimmt, Freundschaften pflegt und Gemeinschaft erlebt. Im Gegenzug sorgt das Belohnungshormon für eine erhöhte Motivation und steigert den Antrieb.

 

Wenn ein Mensch keine Hobbys, keine Erfolge und keinen Gemeinschaftssinn hat oder zu wenig davon, bildet sich kein oder nur wenig Dopamin. Die Rezeptoren für Dopamin, die seit der Kindheit im Gehirn vorhanden sind, suchen dann nach anderen Stoffen, die sich an sie setzen können. Dopamin-Rezeptoren sind empfänglich für Nikotin, Alkohol und Zucker. Nicht selten entwickelt sich erst so eine ungesunde Sucht.

An der Gemeinschaft teilzunehmen, Krisen zu bewältigen, Aufgaben zu lösen und gleichzeitig ein ausgeglichenes Privatleben zu führen, ist für jeden Mitarbeiter wichtig, der Teil eines leistungsstarken und ergebnisorientierten Teams mit klaren Rollen, geplanten Prozessen und konstruktiver Kommunikation sein will.

Opioide

Opioide hängen mit der sogenannten Belohnungserwartung zusammen und sind in ihrer Produktion abhängig von angemessenem Lob. Das bedeutet, Opioide werden in sehr hohem Maße produziert, wenn man nach der Erbringung einer Leistung übermäßig gelobt wird. Wenn man für ein gutes Ergebnis ignoriert und nicht gelobt oder sogar mehr unter Druck gesetzt wird, weil nun die nächste Herausforderung gelöst werden muss, sinkt der Opioid-Spiegel erheblich.

Schwankt die Opioid-Produktion stark hin und her, kann das zu körperlichen und seelischen Symptomen wie Neuralgie, Manie oder Depression führen. Auch die Stressresistenz entwickelt sich mit dem Opioid-Spiegel, ist er niedrig, sinkt sie auch. Das führt unter anderem zu Schmerzen, Resignation und Ess-Störungen steigt er stark, ist sie hoch, der Mensch kann überheblich, egozentrisch, größenwahnsinnig und gierig nach Lob werden.

Neben der Belohnungserwartung hat auch Stress Einfluss auf den Opioid-Haushalt. Denn zu wenig davon, in Fachkreisen „Bore-Out“, hat eine niedrige Produktion und zu viel davon hat eine erhöhte Produktion zur Folge.

Für einen stabilen Opioid-Haushalt ist es notwendig, dass die Mitarbeiter einer Firma einerseits Unterstützung und Sicherheit bekommen um mit dem alltäglich wechselnden Stress-Niveau umgehen zu können und andererseits den Raum für Reflexion und Ruhe zur Verfügung haben, der die Möglichkeit zulässt, sich selbst angemessen für seine eigene Leistung zu würdigen. Und daraus entstehend eine intrinsische Motivation für sein Handeln zu entwickeln.

Fazit

Die drei genannten Neurohormone hängen alle unmittelbar mit Produktion von Serotonin zusammen. In ausreichendem Maß sorgen sie für gute Gesundheit und stabile Abwehrkräfte, Freude am Lernen sowie Stabilität und sie schützen wirksam vor ungesundem Suchtverhalten. Sie sorgen also für körperliches und seelisches Wohlbefinden – und damit genau für die Zufriedenheit, die wir immer wieder als Glück empfinden.

Das gilt nicht nur für das private Umfeld, sondern in gleicher Weise auch für das berufliche. Stress an sich ist dabei nicht per se ein Problem. Unterforderung – und damit biologisch gesehen zu wenig Stress – wirkt sich dauerhaft auch negativ aus. Die richtige Mischung aus Anspannung und Entspannung sowie Individualismus und Zugehörigkeit verbunden mit offener und ehrlicher Kommunikation, ernst gemeintem Lob und der Chance sich selbst im Rahmen seiner Möglichkeiten zu fordern und weiter zu entwickeln sorgt dauerhaft für genau dieses Glück auch am Arbeitsplatz.

Nächsten Monat lesen Sie, wie es gelingen kann, freien Raum für Mitarbeiter zu schaffen ohne dabei seine Ziele aus den Augen zu verlieren – eine wesentliche Hilfe dabei, Mitarbeitern die Chance auf Glück am Arbeitsplatz zu verschaffen und so Produktivität und Bindung zu erhöhen.

Suchen Sie neue Perspektiven? Wollen Sie Menschen bewegen? Streben Sie Nachhaltigkeit an? Sprechen Sie mit uns. Julia Hayden oder Jürgen Hein freuen sich jederzeit auf ein spannendes Gespräch.