Integral Führen „Raum schaffen und halten“

„Das ist der beste Führer, dessen Leute sagen, wenn er sie ans Ziel geführt hat: „Wir selbst haben den Erfolg zustande gebracht“.“ Laotse

Liebe Leserinnen und Leser,

Viele Menschen gehen ins Büro, weil sie Geld verdienen „müssen“. Sie arbeiten hart und sind frustriert. Sie machen, was ihnen gesagt wird um ihren Arbeitsplatz nicht zu verlieren. Sie geben an der Bürotür ihre Eigenverantwortung und ihre Kreativität ab und lassen sich von Vorgesetzten kontrollieren. Nicht selten unterliegen sie dann dem Bedürfnis, wenigstens ihre Freizeit selbstgesteuert zu gestalten. Der Weg ins Büro macht sie immer unglücklicher und frustrierter und der Ausgleich in der Freizeit verspricht oft nicht das, was man sich vorgestellt hat.

Warum machen diese Menschen das? Was hat sie dorthin getrieben? Und geht es überhaupt anders?

Glauben Sie selbst an Unternehmen, in denen man mit Freude arbeitet? Haben Sie das Gefühl den Zweck Ihrer Organisation zu kennen, ihm zu dienen und deren Strategie zu verfolgen? Kollegen, mit denen Sie sich gut verstehen, obwohl sie ganz anders sind als Sie selbst? Arbeiten Sie in einer Firma, die ihre Mitarbeiter respektiert, nachhaltig auf die Umwelt achtet und wirtschaftlich erfolgreich ist? Gibt es einen Chef, der Ihnen den Raum zur Verfügung stellt, sich frei zu entfalten während der täglichen Arbeit?

Unsere Antwort ist: Ja. Das alles gibt es.

Ein Unternehmen führen

Geschäftsführer sein ist längst eine Aufgabe, die mehr beinhaltet als es die Stellenbeschreibung besagt. Schon seit jeher haben Eigentümer als auch Geschäftsführer einer Firma eine Vorbildfunktion für die Mitarbeiter. Sie werden aber nur dann von der Belegschaft ernstgenommen, wenn sie die Kultur, die sie in ihrem Unternehmen kommunizieren, selbst authentisch vorleben. Das beinhaltet Haltungen wie Demut, Vertrauen, Mut, Aufrichtigkeit und Verletzlichkeit und insbesondere auch den offenen Umgang mit Fehlern. Denn Verletzlichkeit und Stärke widersprechen sich nicht grundsätzlich, sondern sind vielmehr sich gegenseitig unterstützende Polaritäten. Und nur wer aus seiner innersten Motivation heraus und mit moralischer Autorität handelt, lädt seine Mitarbeiter dazu ein, sie selbst zu sein und keine „Maske“ aufzusetzen. Das hilft ihnen dabei, offen zu kommunizieren, sich zu trauen, Risiken einzugehen und ihr eigenes Potenzial zu erkennen und entfalten zu wollen.

In integralen Unternehmen sind Geschäftsführer anders wichtig als in herkömmlichen: Hierarchie-Linien laufen nicht mehr pyramidal zusammen und dennoch liegt es an ihnen, den Überblick zu behalten. Sie sind weniger wichtig, weil sie sich zurücknehmen und Verantwortung abgeben und gleichzeitig sind sie essenziell für den Erfolg, weil sie die Menschen begeistern und motivieren müssen. Mit anderen Worten: sie haben die Aufgabe, Raum zu schaffen und zu halten um die Organisation bei ihrer Entfaltung zu unterstützen.

Dieser „Raum“ entsteht vor allem aus der sinnstiftenden Vision des Unternehmens, einer wertschätzenden Atmosphäre, Transparenz, offener Kommunikation, angemessener Ressourcen und effektiver Unterstützung für die Entwicklung der einzelnen Mitarbeiter. Im Ergebnis spricht so eine Organisation jedem einzelnen Mitarbeiter eine angemessene Bedeutung und Wichtigkeit zu, auf deren Basis sich ein Wir-Gefühl und eine fehlerverzeihende Lern- und Leistungskultur dauerhaft entwickelt.

Raum schaffen

Den Raum zur Entfaltung für jeden Mitarbeiter zu schaffen, bedeutet aus der integralen Sicht, dass man sich von Strukturen löst, die auf Angst, Kontrolle und Überwachung beruhen und zu Strukturen übergeht, die auf Möglichkeiten, Entfaltung und Offenheit aufbauen.

Damit kann sich die Firma weg von Angst hin zu Vertrauen und weg vom individuellem Druck hin zu kollektivem Gemeinschaftsgefühl entwickeln. Dabei können Raum schaffende Maßnahmen so einfach sein, dass sich der Geschäftsführer fragt, warum er nicht schon früher darauf gekommen ist.

Es beginnt damit, die Firmenphilosophie nicht nur aufzuschreiben, sondern sie auch zu leidenschaftlich kommunizieren und glaubhaft vorzuleben. Das erzeugt Sinn, Identifikation und echtes Vertrauen bei den Mitarbeitern. Gleichzeitig bringt der Geschäftsführer seinen Mitarbeiter Vertrauen entgehen und überlässt ihnen die Organisation ihrer Arbeit soweit dies im jeweiligen Kontext möglich ist. Das umfasst sowohl die Einteilung der Arbeitszeit als auch die Priorisierung der anliegenden Aufgaben. Mitarbeiter danken diese Freiheiten mit hohem Engagement, übernehmen Verantwortung und erreichen so bessere Ergebnisse.

Die wertschätzende Atmosphäre allein reicht jedoch nicht aus. Neben der Motivation der Mitarbeiter kommt ihrer Befähigung entscheidende Bedeutung zu: es macht nur Sinn, Raum zu schaffen, wenn er auch ausgefüllt werden kann! Daher geht die integrale Organisation bewusst mit Ressourcen um und stellt Mitarbeitern ein angemessenes Kontingent an Zeit sowie passende Lern- und Weiterbildungsoptionen zur Verfügung. Es obliegt dem Geschäftsführer, seine Mitarbeiter bei diesem Prozess unterstützend und zielgerichtet zu begleiten – insbesondere durch sensibles und wirksames Feedback, Ermutigung und auch direktes Coaching.

Die Keimzellen des Erfolgs in integralen Unternehmen sind prozess- und ergebnisorientierte Teams, die das Wissen und die Fähigkeiten der Teammitglieder nutzen, um möglichst viele Entscheidungen selbst zu treffen. Dabei pflegen sie eine Lernkultur, in der gegenseitiges Feedback genauso offen und ehrlich ausgetauscht wird, wie Fehler analysiert werden.

Persönlicher und kollektiver Erfolg bestärkt das Gefühl jedes Einzelnen, Teil eines bedeutsamen „großen Ganzen“ zu sein. Dieses Gefühl ist stärker als das Bedürfnis, sich egoman abzugrenzen und stärkt dadurch die Entfaltung des Sinns der Organisation nachhaltig.

Raum halten

Den oben beschriebenen Raum zu kreieren ist eine durchaus tiefgreifende kulturelle Veränderung, die für viele Mitarbeiter verschiedene Verhaltensänderungen bedeutet. Wie bei jeder Veränderung ist die neue Welt anfangs fragil und gerade bei äußerem Stress anfällig. In diesen Momenten kann integrale Führung ihren Erfolg sichern, wenn der Geschäftsführer über nachfolgende Fähigkeiten verfügt.

Die Mitarbeiter des von ihm etablierten „neuen“ Systems müssen als sich selbst organisierende Teams lebensfähig sein und Ergebnisse liefern. Er muss es schaffen in sie vertrauen zu können und sie kontextbezogen in ihrem Gelingen zu coachen. Selbst wenn es aus manchen Ebenen der Firma zu Ausrufen wie „wir brauchen wieder mehr Kontrolle“ kommt, selbst wenn auf dem Weg in die integrale Form des Unternehmens Fehler passieren oder wenn nicht jeder Mitarbeiter die Welt aus einer zukunftsorientierten Perspektive sieht, muss er mit großem Durchhaltevermögen das Gefühl vermitteln, dass alle es schaffen werden, integrale Prinzipien zu bewahren.

Realistische Ziele zu setzen, Bedürfnisse von Mitarbeiter zu erfüllen und den Spaß an der Arbeit zu erhalten sind eine Seite der Medaille Selbstmotivation. Gleichermaßen muss der Geschäftsführer konsequent einfordern, dass Mitarbeiter getroffene Absprachen und Termine einhalten. Ebenso konsequent muss er Nichteinhalten thematisieren: entweder war die Erwartungshaltung unrealistisch oder die Leistung zu schlecht. Faire – also realistische und zugleich fordernde Ziele – sind die größte Chance für Mitarbeiter, sich selbst zu motivieren, zu belohnen und ehrlich gelobt zu werden.

Schlussendlich muss der Geschäftsführer gelassen mit Krisen umgehen können. Denn einerseits ändern sich ohnehin ständig äußere Rahmenbedingungen und andererseits kommt es auch innerhalb der Firma (nicht zuletzt durch die raumschaffenden Maßnahmen) immer wieder zu neuen Gegebenheiten. Das stabilisierende Auftreten des Geschäftsführers sorgt selbst bei unbeständigem Wachstum, hoher Mitarbeiter-Fluktuation oder durch das plötzliche Wegbrechen eines wichtigen Kunden für den Mut und Vertrauen.

Bedingt durch beständige Veränderung, sowohl in den Märkten, als auch in den Unternehmen wird sich auch der Raum, der durch integrale Führung geschaffen und erhalten wird, beständig verändern. Ebenso beständig wird der Geschäftsführer bestärkend in seiner Organisation wirken müssen, um diesen Raum zu erhalten. Im Laufe der Zeit wird er hierbei jedoch immer mehr Unterstützung aus der Organisation selbst erhalten.

Fazit

Ein Unternehmen zu führen, indem man Raum für die freie Entfaltung jedes Einzelnen bietet, ist ein wichtiger Bestandteil der integralen Weltanschauung. Geschäftsführer, die dieses Prinzip in ihre Firma mit einbringen, erhalten im Gegenzug Mitarbeiter, die mit Freude, vollem Einsatz und in Übereinstimmung mit dem Zweck und der Strategie der Organisation arbeiten. Sie erfahren eine Gemeinschaft von unterschiedlichen Menschen, in der eine respektvolle Atmosphäre herrscht. Und sie ebnen den Weg zu Nachhaltigkeit, Zukunftsfähigkeit und Erfolg.

Es gibt weltweit schon viele Unternehmen, die effektiv integrale Prinzipen etabliert und eine nachhaltig weltoffene Firmenkultur mit zufriedenen und engagierten Mitarbeitern geschaffen haben. Diese Unternehmen haben eine Sache gemeinsam: sie sind in der Unternehmensführung geprägt von einer ganzheitlichen und nachhaltigen Sicht auf eine sich selbst organisierende Organisation – mit anderen Worten, sie führen integral. 

Erfahren Sie im nächsten Blog, wie Führungskräfte es schaffen, die Mitarbeiter in der integralen Firmenkultur zu unterstützen, indem sie die Bedürfnisse von jedem Team-Mitglied finden und für die Eigenwahrnehmung, die Reflektion und das Wachstum von Individuum und dem Team sorgen.

Suchen Sie neue Perspektiven? Wollen Sie Menschen bewegen? Streben Sie Nachhaltigkeit an? Sprechen Sie mit uns. Julia Hayden oder Jürgen Hein freuen sich jederzeit auf ein spannendes Gespräch.